Geschichtliches

Geschichtliches

Die Gemeinde Mittenaar entstand am 01.01.1972 durch den freiwilligen Zusammenschluss der selbständigen Dörfer Bicken, Ballersbach und Offenbach.

Am 01.04.1972 kam noch die Gemeinde Bellersdorf dazu.

 

Mittenaar führte kein amtlich genehmigtes Wappen. Von den früher selbständigen Ortsteilen besaßen jedoch Bicken und Offenbach eigene Wappen. Sie waren ihnen 1952 und 1957 amtlich verliehen worden. Das neue Wappen von Mittenaar übernahm die historisch begründeten Motive der beiden vorhandenen Ortsteilwappen zu einem Teil und setzt sie in Kombination zueinander. Aus  dem Wappen von Offenbach stammt das dreiblättrige Kleeblatt. Die andere Hälfte greift das Wappen von Bicken auf, das sich auf das historische Wappen der Herren von Bicken mit zwei silbernen Balken in Schwarz stützt. Der teilende Wellenbalken spricht die Aar an, nach der sich die Gemeinde Mittenaar nennt. Die vier Wellen schließlich weisen auf die vier Ortsteile hin.

Aus Vor- und Frühzeit

Die Gemarkung von Mittenaar ist uraltes Siedlungsgebiet. Bereits in der Steinzeit vor über 5.000 Jahren finden sich Spuren menschlicher Anwesenheit, wie der Fund eines Steinbeils bei den Nesselhofer Weihern beweist. Im ausgehenden Neolitikum vor etwa 4.000 Jahren hinterließen die Schnurkeramiker an der alten Gemarkunsggrenze zwischen Offenbach und Bicken in der Hörre ein Gräberfeld. Auf die ersten sicheren Ansiedlungen von wahrscheinlich keltischen Volksgruppen stoßen wir im Dorfbereich von Bicken im Weidbachtal, wo um 400 – 300 v. Chr. mehrere Brandgräber errichtet wurden. Die späteisenzeitlichen Siedlungen von Offenbach und Ballersbach aus der Zeit um Chr. Geburt, die in 1955 und 1967 aufgefunden wurden, geben von Wohn- und Wirtschaftsgebäuden in unmittelbarer Nähe der heutigen Dörfer Kunde. Dass sich vor 2.000 Jahren auch römische Truppen in unserem Gebiet aufgehalten haben, dokumentiert der Fund eines römischen Helmteils 1994 in Offenbach.
Auch die Gegend um Bellersdorf in der Nähe des Hörrkopfes (ca. 400 m üNN) war um diese Zeit besiedelt, wie vor einiger Zeit festgestellt werden konnte. Latenezeitliche Bestattungen zeugen von der relativen Bevölkerungsdichte jender frühen Zeit.

Bicken

Aus dem Hochmittelalter stammen die ersten urkundlichen Belege der Existenz unserer Dörfer. Sie sagen nichts über deren wirkliches Alter aus, welches wesentlich höher anzusetzen ist. Aus der Namenslosigkeit der Vergangenheit taucht als erstes Dorf Bicken auf. Die Historie dieses Ortes in jener frühen Zeit ist untrennbar mit dem gleichnamigen Adelsgeschlecht der Herren von Bicken verbunden. In einer Kölner Urkunde aus dem Jahre 1218 wird auch Anselm von Bicken erwähnt. Der Herkunftsname des Anselm ist als Ersterwähnung des Ortsnamens der Gemeinde Bicken anzusehen.

Allerdings scheint nach den wenigen überlieferten Dokumenten die Bedeutung der Ritter von Bicken schon im Abnehmen begriffen gewesen zu sein, als sie in das Licht der Geschichte eintreten. Ebenso spärlich und ungewiss sind die Überlieferungen von der Burg in Bicken.

Wahrscheinlich hat es sich um eine befestigte Hofanlage gehandelt, die im Bereich des “Burggrabens” lag. Möglicherweise ist der untere Teil des Kirchturms der Wehrturm der Burg gewesen. Im Kampf um die Vorherrschaft in der Herborner Mark unterlagen die Adeligen von Bicken und Dernbach den Grafen von Nassau.

Nach der Reformation ordnete Graf Johann von Nassau die Zusammenlegung der Kirchspiele von Bicken und Offenbach an. Der Pfarrer nahm seit etwa 1590 seinen Wohnsitz in Bicken. Im 30-jährigen Krieg wurde das Dorf mehrfach Opfer von Überfällen und Plünderungen.

Die Gemeindezusammenschlüsse sind keine Erfindung unserer Tage. In der napoleonischen Zeit (1807 – 1813) war Bicken schon einmal Mittelpunkt der “Mairie Bicken”, zu der die Orte Offenbach, Bicken, Ballersbach und Herbornseelbach zählten. Von der Auswanderungswelle in der herzoglich-nassauischen Zeit (1816 – 1866) wurde Bicken in besonderem Maße betroffen. Von 1834 bis 1865 zogen über 150 Menschen nach Amerika. Aus dem Nachbarort Offenbach waren es über 100. Die Einwohnerzahl nahm infolge der Auswanderung in den beiden Dörfern stark ab.

Schmerzliche Lücken hinterließen die beiden Weltkriege in diesem Jahrhundert. Zu den Opfern des Krieges 1914-18 zählten 27 Bicker Soldaten. Im zweiten Weltkrieg starben 78 Kriegsteilnehmer aus diesem Dorf.

Zukunftsweisend war Ende der fünfziger Jahre der Beschluss der Gemeindevertretungen von Bicken und Ballersbach, zwischen den beiden Gemeinden eine Mittelpunktschule zu errichten.

Seit Sommer 2009 ist unterhalb eben jener Schule die neue „Sportarena Mittenaar“ zu finden und dient sowohl den heimischen Vereinen, als auch der Schule als Sportgelände.

Ballersbach

Die erste urkundliche Erwähnung von Ballersbach geht auf das Jahr 1270 zurück. In dieser Zeit entstand vermutlich auch die Ballersbacher Kirche, der im 14. Jahrhundert als “Capellen zu Ballersbach” umfangreiche Schenkungen zuflossen. Die Bedeutung der Kapelle zu Ballersbach lässt sich daran ablesen, dass ihr später das weit größere Dorf Herbornseelbach zugeordnet wurde.

Im 30-jährigen Krieg geriet das Dorf nahe an den Rand des Untergangs. Von den Truppen des kaiserlichen Heerführers Mansfeld wurde ein Teil des Dorfes eingeäschert. Die Soldaten hatten die Pest eingeschleppt. Der Krankheit, gegen die es damals keine Mittel gab, erlagen 165 Personen. Nur 85 Einwohner überlebten. Die Aufzeichnungen des gelehrten Ballersbacher Pfarrers Muscinus geben ein beeindruckendes Zeugnis von dieser Schreckenszeit. Es dauerte über hundert Jahre, bis sich Ballersbach von dieser Katastrophe erholt hatte.

In den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts kam mit C.W. Müller ein junger Pfarrer nach Ballersbach, der über schriftstellerische Gaben verfügte. In seinem Werk “Abseits der Heerstraße”, womit Ballersbach gemeint ist, setzte er dem Ort seines Wirkens ein literarisches Denkmal.

Die von ihm angestrebte Erweiterung der Kirche begann allerdings erst 1914, nachdem zwei Jahre vorher ein Blitzschlag den Kirchturm stark beschädigt hatte. Bei den Renovierungsarbeiten kamen auch die wunderbaren Fresken zu Tage, welche wohl das kunsthistorisch bedeutsamste Objekt in Mittenaar darstellen. Die Wandgemälde aus der Zeit um 1500 lassen sich in unserem Gebiet nur noch mit den Fresken in der Stadtkirche Haiger vergleichen. Eine umfassende Erneuerung in 1993 sichert die wertvollen Kunstwerke auch den nachfolgenden Generationen.

Im Jahr 2009 konnte in Ballersbach neben der neu gebauten Zufahrt zum Industriegebiet Ballersbach-West auch die ebenfalls neu errichtete Straße zur Johann-Heinrich-Alsted-Schule eröffnet werden.

Offenbach

Das weitverzweigte Adelsgeschlecht der Herren von Dernbach war bis zum Ende der “Dernbacher Fehde” in 1333 die maßgebende Familie in der Herborner Mark. Einer Urkunde des Johann von Dernbach verdankt Offenbach die Ersterwähnung in 1269. Auch nach Beendigung der Kämpfe mit den Grafen von Nassau behielten die Dernbacher zu Offenbach zwei Höfe und das Patronatsrecht über die Offenbacher Kirche, das sie erst im 17. Jahrhundert aufgaben.

In den Schreckensjahren des 30jährigen Krieges fielen im April 1635 die Horden des kaiserlichen Generals Philipp von Mansfeld über die Aartaldörfer her und äscherten in Offenbach 60, in Bicken 53 und in Ballersbach 18 Gebäude ein. Unvergessen blieb auch ein düsteres Kapitel des großen Krieges, die Hexenverfolgung. Die eigenen Mitbürger brachten 1629/30 in Offenbach 6, in Bicken 18 und in Ballersbach ebenfalls 6 Frauen auf den Scheiterhaufen.

Bei den Türmen der Kirchen in Mittenaar handelt es sich um Wehrtürme, die zeitgleich vermutlich im 13. Jahrh. entstanden sind. Auf gesichertem Boden bewegen wir uns bei den Zeitangaben für den Turmhelm der Offenbacher Kirche. Das Eichenholz wurde nach einer dendrochronologischen Untersuchung in 1359 geschlagen. 1661 baten die Offenbacher und die Ballersbacher den Grafen Ludwig Henrich von Nassau um Unterstützung beim Aufbau ihrer durch den Krieg verfallenen Kirchen. 1719 folgte in Offenbach eine weitere umfassende Erneuerung. Als ältestes Kulturdenkmal beherbergt der Turm eine Glocke aus dem Jahre 1452, die seitdem ununterbrochen in Gebrauch ist.

Neben den vielen Toten, die im zweiten Weltkrieg zu beklagen waren, ist als weiteres einschneidendes Ereignis die Vertreibung von über 13 Millionen Deutschen aus ihrem alten Siedlungsgebiet zu betrachten. Die meisten von ihnen fanden in 1946/47 in Westdeutschland eine neue Heimat. Offenbach nahm bis 1950 185 “Flüchtlinge” auf. Die Vergleichszahlen für Bicken, Ballersbach und Bellersdorf lauten 279, 202 und 65. Die schnelle Integration der Heimatvertriebenen war eine der großen Leistungen der Nachkriegszeit. Die gestiegene Einwohnerzahl machte 1955/56 eine Erweiterung des Kirchenschiffes in Offenbach erforderlich.

Mit der 1994 abgeschlossenen Renovierung der Kirche hat die vor über fünfzehn Jahren begonnene Neugestaltung des Offenbacher Kirchbergs ihren Abschluss gefunden.

Bellersdorf

In einer Urkunde von 1294 der Grafen von Solms erscheint erstmals der Name von Bellersdorf. Das alte Dorf lag in einiger Entfernung östlich von der heutigen Ansiedlung. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde Bellersdorf aus unbekannten Gründen aufgegeben. Ob es die Pest war oder Kriegswirren den Wegzug der Einwohner erzwangen, entzieht sich unserer Kenntnis. Jahrhundertelang blieb die Hochfläche am Rande der Hörre verlassen. 1699 siedelten sich mit Erlaubnis des Grafen Ludwig von Hohensolms die ersten Siedler an, denen 10 Jahre Steuerfreiheit zugesichert wurde.

Da die Landesgrenze sich in der Nähe befand, richteten die Behörden im Ort eine Zollstation ein. Der letzte Zöllner namens Simon wanderte nach Amerika aus. Ob auf dem “Herrenhof” genannten Flurstück ein gräfliches Jagdhaus oder ein Hofgut stand, ließ sich nicht mehr feststellen.

Die Einwohner lebten bis in die jüngere Vergangenheit von Landwirtschaft und Handwerk. Erst nach dem letzten Krieg, als die abgeschiedene Lage durch die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse kein Hindernis mehr darstellte, setzte ein großer Aufschwung ein. Bedeutende Erfolge im Wettbewerb “Unser Dorf soll schöner werden” machten Bellersdorf überregional bekannt.

Kümmerkasten